Wigbert Benz

Der Hungerplan im »Unternehmen Barbarossa«
Verlag: Wiss. Verlag Olaf Gaudig & Peter Veit, Berlin
Umfang: 84 S., brosch.
ISBN-13: 978-3-86573-613-0
Preis: 16,00 €

Dieses Buch beim Verlag...Dieses Buch bei amazon.de...Für die Geschichtslehrer bedeuten jüngste Lehrplankürzungen auch beim Thema Nationalso-zialismus, dass sie ihren Schülern die „essentials“ aus der Ideologie und deren Umsetzung un-ter massivem Zeitdruck vermitteln sollen. Nicht wenige begrenzen ihren Fachunterricht damit auf die Machtergreifung, die Absicherung der NS-Diktatur im Inneren und den Holocaust. Um zum „Kern des Nationalsozialismus“ vorzudringen, bietet sich anlässlich der 70. Wieder-kehr des Bruchs des Hitler-Stalin-Pakts der deutsch-sowjetische Krieg 1941-45 an, in dem Wigbert Benz (*1954) seit seiner Zulassungsarbeit 1986 den besonderen Schwerpunkt seiner fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen, Schulbuchanalysen und Unterrichtsprojekte sieht.

Aus einem Aufsatz „Kalkül und Ideologie – Das Hungervorhaben im ‚Unternehmen Barbaros sa’“ (in Klaus Kremb, Hrsg., Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts, 2010, S. 19-38) erwuchs die vorliegende Monographie, gespeist aus den Akten und Planungsvorgaben für Görings Kriegswirtschaft: bereits Wochen vor der Ausweitung des Krieges auf die Sowjetunion belegt eine Dienstbesprechung unter General d. Inf. Georg Tho-mas, Chef des Wirtschaftsführungsstabs Ost (OKW, 02.05.1941) das Kalkül mit dem Hunger als strategischem Teil des Vernichtungskriegs, „zig-Millionen Menschen verhungern“ zu las-sen, gefolgt von den Richtlinien der Hauptgruppe Landwirtschaft im Vier-Jahresplan vom 23. 05.1941 und verstärkt durch Besatzungsrichtlinien in Görings „Grüner Mappe“ vom 01.06. 1941. Somit stellt sich der „Hungerplan“ (auch „Hungervorhaben“, „Hungerpolitik“) neben der Zertrümmerung der UdSSR (u.a. durch Angebote an Nationalitäten in der Sowjetunion), dem „Generalplan Ost“ und dem Holocaust als Konzept dar, das mit dem Hungertod von 30 Millionen Sowjetbürgern rechnete, was durch den tatsächlichen Verlauf des Unternehmens Barbarossa als Kriegsziel nicht erreicht wurde – die „Hungerpraxis“ forderte nach Quellenla-ge 4-7 Millionen Opfer, darunter allein 1 Million im belagerten Leningrad (vgl. Jörg Ganzen-müller, 2005). Kriegsgefangene Sowjetsoldaten machen – so Wigbert Benz – nach den Men-schenopfern der „Endlösung“ faktisch die zweitgrößte Opfergruppe aus.

„Hierbei werden zweifellos zig-Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwen-dige aus dem Lande herausgeholt wird“ – ein Kernsatz aus der o.e. Planungsbesprechung vom 02.05.1941, der damit „kalkulierte Morde“ in Kauf nimmt zu Gunsten der Versorgung von Ar meegruppen der Deutschen Wehrmacht und als Ausgleich einer erwarteten negativen Ernäh-rungsbilanz im Reich, wo es galt, eine wie im 1. Weltkrieg (vgl. „Steckrübenwinter“ 1916/17) destabilisierte „Heimatfront“ als Tabubegriff zu verhindern. Laut StS Backe vom Reichsernäh rungsministerium wolle und könne man sich „im Osten gesundstoßen“ (Goebbels-Tgb., 06. 05.1941). Benz belegt sein Fazit anhand von Zitaten der ideologisch Hauptverantwortlichen (Hitler, Göring, Rosenberg, Himmler) auch mit dem „Kalkül ideologisch überzeugter Schreib-tischtäter und rational planender Bürokraten“. Wigbert Benz will mit seiner kleinen Broschüre erreichen, dass der „andere Holocaust“, der rassenbiologisch begründete Vernichtungskrieg (Wolfram Wette, 2002) in der Facette des Hungerplans von 1941 auch über die Medien ins Bewusstsein der Deutschen rückt: allein die Getreideernte in der UdSSR war von 1939 (24,3 Mill. t) im Jahr 1942/43 auf 11,7 Mill. t gefallen, wovon 2,7 Mill. t an die Deutschen abzufüh ren waren - so belegt es die mir vorliegende Statistik des o.e. Wirtschaftsführungsstabs Ost (OKW, 20.11. 1944), bekannt seit den Nürnberger Prozessen (Bundesarchiv-MA, RW 31).

Willi Eisele, OStD
Landesvorsitzender des BGLV e.V.


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